Wenn in Wien ein Lager brennt

In der Nacht auf Dienstag den 05.09.2012 fiel ein Teil des Hauses in der Heinestrasse 12 einem Großbrand zum Opfer. Ein Auszug aus einem Artikel zum Brand:

Wien – Ein Großbrand in der Nacht auf Dienstag in Wien-Leopoldstadt hatte am Vormittag für etwa 200 Anrainer ein unangenehmes Nachspiel: Weil die Einsatzkräfte in dem zerstörten Gebäude in der Heinestraße drei stark erwärmte Acetylengasflaschen gefunden hatten und die Gefahr bestand, dass diese explodieren, wurden Bewohner aus angrenzenden Häusern vorübergehend evakuiert. Ein Beamter des Einsatzkommandos Cobra schoss die Flaschen schließlich auf, damit das Gas kontrolliert entweichen konnte. Gegen 13 Uhr konnten die Anrainer in ihre Wohnungen zurückkehren.

Da sich die Pizzeria in unmittelbarer Nachbarschaft der Heinestrasse befindet wurde der Brand am nächsten Tag auch von Bewohner_innen des Hauses bemerkt. Vor allem bemerkten wir auch die 20 Menschen die sich vor dem Haus befanden und dort mit ein paar Bündeln und ziemlich verzeifelten Gesichtern am Fahrbahnrand saßen. Auf Nachfrage wurde in Erfahrung gebracht, dass es sich um die ehemaligen Bewohner_innen des Hauses im Innenhof handelte. Diese waren in dem 2-stöckigen, als Lager klassifiziertem Haus untergebracht. Ohne schriftliche Verträge und damit augenscheinlich ohne jegliche rechtliche Sicherheit. Auf die Frage wo sie Heute schlafen sollten wurde seitens der Stadt und der Polizei nur mit einem Schulterzucken reagiert, Hausverwaltung oder Hauseigentümer ließen sich nicht blicken. Auf unseren Hinweis, dass diese Menschen schon seit langem hier wohnen und nun keine Bleibe haben, daher Unterstützung brauchen reagierten die Beamten mit höhnischen Kommentaren. Von „Die können eh zur Botschaft gehen“ „Das sind ja eh nur Illegale, für die ist von uns niemand zuständig“ bis zu „Was geht Sie das an, warum sollte ich mit ihnen überhaupt reden“. Uns wurde von den Betroffenen erzählt, dass die Polizei sie sogar vom Gehsteig vertreiben wollte. Manche der ehemaligen Bewohner_innen hatten noch Papiere und wichtige Gegenstände im Haus, dieses zu betreten wurde ihnen jedoch aufgrund angeblicher Einsturzgefahr verwehrt. Währenddessen durften Bauarbeiter jedoch bereits mit den Aufräumarbeiten beginnen. Dieselben Bauarbeiter die vor einem Monat beim Versuch der illegalen Räumung der Pizzeria aktiv waren, zu diesen Verstrickungen später mehr.

Um wenigstens das nötigste zu organisieren starteten wir einen Spendenaufruf, brachten das wenige Essen das wir hatten  sowie Kleidung vorbei, kontaktierten verschiedene soziale Einrichtungen sowie Birgit Hebein, Sozialsprecherin von den Grünen. (Bei Frau Hebein müssen wir uns sehr für ihr Engagement bedanken, da sich diese trotz anderweitiger Verpflichtungen sofort bemühte den Menschen vor Ort zu helfen und wir zählen die Tage bis zu ihrem Austritt aus der Grünen Partei. Birgit, you can do it!). Auch ein Dolmetscher wurde organisiert, doch in der Zwischenzeit waren die Betroffenen leider verschwunden. Ob sie freiwillig gegangen sind, oder von der Polizei oder ihren „Vermietern“ genötigt wurden können wir leider nicht einschätzen. Ein Mitarbeiter der Stadt Wien erklärte, sie wären an eine „Vinzi“ – Einrichtung verwiesen worden. Diese Einrichtung ist jedoch chronisch überbelegt, ein Nutzen für die Betroffenen also kaum vorhanden.

Auf jeden Fall war der sogenannte Normalzustand wiederhergestellt und das Stadtbild gereinigt. Und eigentlich waren diese Menschen ja gar nicht dort. Wie uns sowohl der oben verlinkte Standardartikel, als auch dieses Kästchen in der heutigen Ausgabe eines bekannten Gratisblattls nahelegen. Kein Wort darüber das dutzende Menschen ihr Zuhause verloren haben. In der Heute wird das bewohnte Haus schlicht Lager genannt. Eigentlich eine passende Beschreibung für dieses Haus, wie es unzählige in Wien gibt. .  Im Gegensatz zu den erwähnten Zeitungsartikeln, verschweigt ein Bericht in Wien Heute vom 04.09 die Unterbringung nicht, erwähnt sogar dass am Vorabend des Brandes noch die Miete eingetrieben wurde. Soche Abbruchhäuser werden Menschen „vermietet“, die auf dem Wohnungsmarkt keine Chance haben: Asylsuchende, illegal ausgebeutete Arbeiter_innen und andere sogenannte soziale Randgruppen. Die „Wohnungen“ sind dabei nicht billig, es werden oft nur einzelne Matratzen vermietet, einzelne Räume um hunderte Euro pro Monat. Und was bleibt vielen Menschen sonst auch übrig? Aus Parks werden sie ebenso vertrieben, wie aus leerstehenden Häusern. Wohnungspreise von 12 Euro pro Quadrameter und mehr, sowie rassistische und chauvinistische Vermieter machen eine normale Miete für Tausende Bewohner_innen unserer Stadt unmöglich. Auch für viele Bewohner_innen der Pizzeria.

Und tatsächlich teilen sich die Heinestrasse 12 und die Mühlfeldgasse 12 mehr als nur die Hausnummer. In einem Kommentar unter dem Standardartikel wurde der Grundbuchauszug der Liegenschaft in der Heinestrasse wiedergegeben und wirklich erstaunliches kam zu Tage. Die Gebäude in der Heinestrasse 12 sind ebenfalls im Besitz der Herrn Avner Motaev und Nery Alaev. Die selben Besitzer die für die versuchte illegale Räumung der Pizzeria verantwortlich sind und in ganz Wien Mieter_innen aus ihren Häusern vertreiben wollen. Ihre Spezialität ist es „Gruppen“ von Menschen in bereits leerstehende Teile der Häuser einzuquartieren und Streit zwischen den verschiedenen Parteien zu provozieren oder  zumindest bewusst in Kauf zu nehmen, wenn dies nicht klappt konstruieren Sie einfach einen solchen Streit (1 | 2). Weiters kommt es in den Häusern zu den immer selben Zwischenfällen: Kaputte Strom- und Wasserleitungen; Oberflächliche, mangelhafte Sanierung; Verweigern von Instandhaltung von Stromleitungen, Treppengeländern und Dächern; Kaputte Fenster im tiefsten Winter; Nächtliche, unangemeldete Besuche von den Vermietern oder dubiosen Mittelmännern; Kündigungsklagen gegen Mietparteien aufgrund haarsträubender Verbindungen; Farbanschläge, sogar mit neonazistischen Symbolen, auf Türen von nicht auszugswilligen Parteien… die Liste ist lang.

Es scheint kein Zufall zu sein, dass auch das Haus in der Heinestrasse in eher desolatem Zustand und völlig überbelegt war. Gleichzeitig waren der Flur und der Hof voll mit Unrat, ja sogar volle Acetylengasflaschen wurden ungesichert gelagert! Die Hausverwaltung ist dafür verantwortlich, dass Stiegenhaus und Hof eines Hauses in feuerpolizeilich korrektem Zustand sind, in der Heinestrasse war das nicht der Fall und dies hätte noch fatalere Folgen haben können. Zum Glück kam es nur bei einer Person zu einer leichten Rauchvergiftung, doch es hätten Menschen sterben können. Hierzu noch ein kurzer Auszug aus dem Standard Artikel:

Die Einsatzkräfte sahen in dem extrem verrauchten Innenhof bereits Flammen aus dem Dach schlagen und lösten Alarmstufe 2 aus. Es habe sich um eine komplizierte Situation gehandelt, sagte der Feuerwehr-Sprecher. „Wir hatten extrem enge Platzverhältnisse mit einer sehr hohen Brandbelastung.“ Mit zehn Rohren versuchten die Feuerwehrleute unter Atemschutz, den Brand in den Griff zu bekommen. Wirklich gelang das aber erst, als auch drei Schaumrohre zum Einsatz kamen. Nach drei Stunden sei die Intensität des Feuers gebrochen gewesen.

Danach begannen die Nachlöscharbeiten, die am frühen Nachmittag noch nicht abgeschlossen waren. Dabei entdeckte die Feuerwehr die stark erwärmten Acetylengasflaschen. Die Rettung stellte sicherheitshalber den Katastrophenzug zur Verfügung, so Packert. Gemeinsam mit Mitarbeitern der Wiener Linien wurden die Anrainer in Sicherheit gebracht. Dem Rettungssprecher zufolge wurden vier ältere Personen aufgrund der Aufregung im Katastrophenzug behandelt. „Es waren aber alles vorsorgliche Maßnahmen“, betonte Packert.

Die Ursache des Feuers war zunächst unklar. Laut Polizei war in dem Innenhof sehr viel Gerümpel und Müll gelagert. Die Bewohner des Hauses wurden wiederholt aufgefordert, dieses Material wegzuräumen. Ob dieser Umstand etwas mit dem Feuer zu tun hatte, war am Vormittag noch unklar.

Avner Motaev und Nery Alaev sehen sich selber als erfolgreiche Geschäftsmänner,  mit sozialem Gewissen. Die Wahrheit sieht anders aus. Sogar die Gefährdung von Menschenleben wird scheinbar in Kauf genommen um Profit aus dem Verkauf von Häusern zu erwirtschaften. Das Firmengeflecht der umtriebigen Geschäftsleute gehört offen gelegt, die Anonymität von Menschen die an der gewaltsamen Umstrukturierung von Wohnvierteln verdienen muss ein Ende haben. Mittlerweile sind im Standard Forum die Hinweise auf die Identität der Besitzer und ihr skandalöses Vorgehen in verschieden Häusern, in verschiedenen Bezirken der Stadt von der Moderation gelöscht. Wir finden das befremdlich, da es sich bei den gelöschten Inhalten um reine Fakten gehandelt hat. Gleichzeitig werden jedoch Postings die sich auf den vermeintlichen Migrationshintergrund von Bewohner_innen berufen oder klar antisemitische Ressentiments gegen die Besitzer schüren unverändert stehen gelassen. Ob die derstandard.at Moderation aus vorauseilendem Gehorsam, aufgrund von politischem Druck oder einer möglichen einstweiligen Verfügung so gehandelt hat, darüber können wir nur spekulieren. Eines ist für uns klar: Motaev und Alaev glauben noch immer, dass Sie mit ihrem Vorgehen durchkommen werden. Zeigen wir Ihnen gemeinsam, dass wir es nicht länger hinnehmen wie einige wenige auf Kosten vieler Anderer durchs Leben gehen.

Kein Gott Kein Staat Kein Mietvertrag

Pizza bleibt

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